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Wechseljahre - alle Infos und die Möglichkeit der Neuausrichtung

Die Wechseljahre sind ein so wichtiger Abschnitt im Leben einer Frau und für meinen Geschmack gibt’s über diese Phase im Allgemeinen ein viel zu negatives Meinungsbild. Aber fangen wir von vorne an - mit ein paar Begrifflichkeiten.

 

Der Begriff Menopause ist die Bezeichnung für die letzte Menstruation einer Frau. Bedingt durch eine hormonelle Umstellung, die davor und danach stattfindet, wird die Übergangsphase als Wechseljahre (Klimakterium) bezeichnet. Die Wechseljahre lassen sich in verschiedene Phasen unterteilen. 

 

Die Perimenopause ist die zeitliche Phase vor dem Ausbleiben der Menstruation, die durchschnittlich im Alter von 45 Jahren mit dem starken Absinken des Progestron- und Östrogenspiegels einhergeht. Zu hormonellen Schwankungen und damit auch zu Zyklusveränderungen kann es auch bereits in der Prämenopause, also vor der Perimenopause kommen.

Der Perimenopause folgt dann die Menopause, der Zeitpunkt der letzten Menstruation, gefolgt von der Postmenopause.

DIE WECHSELJAHRE KÖNNEN SO UNTERSCHIEDLICH SEIN,

WIE WIR FRAUEN UNTERSCHIEDLICH SIND

Beginn und Dauer der Wechseljahre können von Frau zu Frau total verschieden sein. Sicherlich spielt das Thema Lifestyle, wie bei so vielem anderen auch, eine große Rolle. So kann zum Beispiel ein starker Zigaretten- und Alkohol-Konsum beeinflussen, wann wir in die Wechseljahre kommen. Angeblich hat im Alter von 52 Jahren etwa die Hälfte der Frauen ihre letzte Regelblutung. In der Regel tritt die Menopause zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr ein. 

 

Die im Diagramm aufgeführten Phasen variieren von Frau zu Frau in ihrer Länge und ihrer Intensität und sind nicht vorhersehbar. So kann es vorkommen, dass bei einigen Frauen die ersten Zeichen der Wechseljahre das Ausbleiben der Periode ist, andere hingegeben haben bis zur Menopause einen regelmäßigen Zyklus. Etwa ein Drittel der Frauen durchlaufen diese Phasen ohne Beschwerden, ein Drittel haben leichte Beschwerden und das letzte Drittel der Frauen hat heftige Symptome, die teilweise mit starken Einschränkungen der Lebensqualität einhergehen.

 

Die Symptome lassen sich durch die hormonellen Schwankungen erklären, die bereits in der Prämenopause einsetzen können. Der Progesteron- und auch der Östrogen-Spiegel sinken und dieses Durcheinander stellt teilweise Körper und Stimmung ganz schön auf den Kopf.

Symptome und Anzeichen der wechseljahre

Die bekanntesten Symptome sind wohl Gereiztheit und Hitzewallungen. Für viele meiner Klientinnen sind aber Schlafstörungen, Energielosigkeit und auch Libido-Verlust das größere Problem. Außerdem kann es zu Gewichtszunahme, Hautalterung, Vermännlichungserscheinungen, Gelenks- und Muskelschmerzen, Gedächtnisstörungen und Depressionen kommen.  

Gereiztheit, Stimmungsschwankungen, Depressionen

Die hormonelle Umstellung der Wechseljahre kann uns seelisch aus dem Gleichgewicht bringen. Das kann sich in Gereiztheit, Ängsten und Traurigkeit äußern und manchmal bis hin zu einer behandlungsbedürftigen Depression führen. Ursächlich sind die Östrogene, denen eine stimmungsaufhellende Wirkung nachgesagt wird. Zudem aktivieren sie das zentrale Nervensystem. Bei starken Ausprägungen dieser Symptome, sollte man auf jeden Fall mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt sprechen und in Erwägung ziehen, sich gegebenenfalls professionelle Hilfe im Bereich der Psychotherapie zu holen. 

Hitzewallungen

Viele Frauen in den Wechseljahren kennen dieses Phänomen - die aufsteigende Hitze, die sich in kurzer Zeit über das Gesicht und den Oberkörper ausbreitet, einen erröten lässt und einen Schweißausbruch mit sich bringt. Nach wenigen Minuten ist der Spuk wieder vorbei. Das Ganze kann sich einmal die Woche oder mehrmals am Tag äußern und wird in unterschiedlicher Intensität wahrgenommen. Zu diesen Hitzewallungen kann es auch in der Nacht kommen und dort die Tiefschlafphase stören. Hitzewallungen ist eines der Symptome, welches sich relativ früh - bereits in der Prämenopause - zeigen kann. Mit Menstuationsstörungen kündigt sich dann in der Regel die Perimenopause an. Ursächlich ist das Problem noch nicht bekannt. Man geht davon aus, dass die Körpertemperaturregelung in Verbindung mit der Östrogen-Produktion ins Schwanken gerät.

Hitzewallungen können die Wechseljahre eine ganze Weile begleiten

und auch nach der Menopause noch eine Rolle spielen.

Libidoverlust und Scheidentrockenheit

Östrogene sorgen für einen guten Aufbau unserer Schleimhäute. Nimmt der Östrogenspiegel im Laufe der Wechseljahre ab, so hat dies Einfluss auf unsere Schleimhäute der Scheide, Blase, Harnröhre, Mund und Augen. Die Schleimhautschicht wird dünner und ist dadurch auch angreifbarer für Bakterien und Verletzungen. Die Scheidentrockenheit kann zu Libidoverlust und auch zu Schmerzen beim Sex führen. Die Veränderung der Scheidenflora kann sich auch auf Harnröhre und Blase auswirken. Durch die Milieu-Änderungen und das fehlen von Milchsäurebakterien ist die Scheide anfälliger für bakterielle Infektionen. Schleimhautabbau und ein Abschwächen der Beckenbodenmuskulatur können zu Inkontinenz oder verstärktem Harndrang führen.

Brain-Fog - wenn einem Nebel die Gedanken verschleiert

Der sogenannte Brain-Fog - "Gehirn-Nebel" - wird offenbar auch durch den Östrogenmangel begünstigt. Bemerkbar macht er sich durch Konzentrationsstörungen, Einschränkungen der Merkfähigkeit und mangelnden Fokus u. a.  Brain-Fog kann aber auch durch zum Beispiel Schlafmangel, falsche Ernährung, Lebensmittelunverträglichkeiten und chronische Krankheiten ausgelöst werden.

Stoffwechselverändungen

Jetzt  mal eine gute Nachricht: Die Wechseljahre an sich haben keinen Einfluss auf das Körpergewicht, sondern vielmehr der im Alter sinkende Energieumsatz. Die Muskelmasse nimmt ab und dadurch wird weniger Energie vom Körper verbraucht. Wird die Ernährung in dieser Zeit entsprechend umgestellt, kann man die Gewichtszunahme umgehen.

 

In und auch nach den Wechseljahren kann es allerdings zu mehr Fetteinlagerungen am Bauch kommen, da es durch den absinkenden Östrogenspiegel und zu einem relativ erhöhten Testosteronspiegel kommt.

Hautalterung und Vermännlichung

Durch den eben schon angesprochenen relativ erhöhten Testosteronspiegel und dem damit vorhandenen Überschuss an männlichen Hormonen, kann in den Wechseljahren die Gesichtsbehaarung zunehmen und die Kopfbehaarung abnehmen.

 

Die Haut speichert weniger Wasser und ist dadurch weniger elastisch, dünner und auch trockener. Auch die Wundheilung dauert länger. Dies sind jedoch nicht nur Zeichen der Wechseljahre, sondern ganz normale Prozesse des Älterwerdens.

Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen

Auch hier spielt der Östrogenmangel wieder eine Rolle: Muskeln und Gelenke werden minderdurchblutet, die Kollagenproduktion, Gelenksknorpel und Gelenksflüssigkeit nehmen ab und können sich durch Schmerzen im gesamten Bewegungsapparat bemerkbar machen. 

Ab dem 35. Lebensjahr nimmt die Muskelmasse bei Frauen ab. Durch regelmäßige Bewegung und Sport können wir jedoch dagegen anarbeiten und uns so vor Abnutzung und Gelenkbeschwerden schützen.

Osteoporose

Osteoporose ist eine klassische Alterserkrankung des Knochens, die ihn aufgrund einer Stoffwechselstörung dünner und brüchiger macht. Insbesondere nach den Wechseljahren kann der Knochenauf- und der Knochenumbau auf Grund des Östrogenmangels beeinträchtigt sein. Familiäre Belastung und zum Beispiel die langjährige Einnahme von Medikamenten begünstigen das Entstehen einer Osteoporose.

Bemerkbar macht sich die Krankheit zunächst nicht. Im weiteren Krankheitsverlauf kann es zu Schmerzen, einem Buckel und Knochenbrüchen kommen, ohne das dafür eine Ursache (Sturz) zugrunde liegt.

Durch eine calciumreiche, gesunde Ernährung und durch Bewegung kann man die Krankheit günstig beeinflussen.

So kannst du dich unterstützen

Die Schulmedizin ist hier schnell mit einer Hormonbehandlung dabei. Es gibt jedoch sehr viel natürlichere Verfahren, den Körper zu unterstützen und ihm in dieser besonderen Zeit zu begegnen. 

 

Hormonyoga erzielt z.B. große Erfolge. Durch bewusste Atemübungen, Yoga und Energielenkungstechniken werden die Hormondrüsen im Körper stimuliert und angeregt. Gezielte Entspannungsübungen sorgen für Stressreduktion, Abbau von Ängsten und Nervosität. Auch Meditationen und Affirmationen können sich positiv auf den Hormonhaushalt und Wechseljahresbeschwerden auswirken.

 

Zudem sollte man unbedingt darauf achten, sich ausgewogen zu ernähren und sich ggf. mit Nahrungsergänzungsmitteln unterstützen. Idealerweise sollte erst supplementiert werden, wenn man seine Werte kennt. Das geht über einen ärztlichen Check up oder über Labore. Viele Untersuchungen muss man selber zahlen, dennoch würde ich immer dazu raten.

 

Frauen ab 40 sollten besonders auf die Zufuhr von ausreichend Magnesium, Kalzium, Zink und den Omega 3 Fetten achten, außerdem sind Vitamin B12, B6, Biotin, Folsäure, Cholin und Vitamin D wichtig. Auch Eisenmangel ist bei vielen Frauen immer wieder ein Thema, welches es zu beachten gilt.

Diesen neuen lebensabschnitt nutzen

Ich kenne einige Frauen, die diese besondere Zeit genutzt haben, ihrem Herzen zu folgen und sich neu auszurichten. Wir können uns diese Veränderung zu eigen machen und etwas Positives daraus entstehen lassen. Es gibt keinen Ratgeber oder vorgeschriebenen Fahrplan, der uns sagt, wie wir durch diese Lebensphase zu gehen oder wie diese Lebensphase auszusehen hat. Wie in allen Phasen sollten wir versuchen, auf unser Herz zu hören und zu erspüren, was uns gut tut und uns glücklich macht, und nicht versuchen, den Erwartungen anderer gerecht zu werden. Auch sollten wir die eigenen Wechseljahre nicht mit denen der Mutter vergleichen. 

Diese Phase ist für jede Frau etwas anderes, durchaus etwas Besonderes,

in der wir die Möglichkeit bekommen, uns selbst einmal mehr neu zu begegnen.

Wie eingangs geschrieben, herrscht ein viel zu negatives und eingestaubtes Meinungsbild über diese Phase im Leben einer Frau, was es nicht unbedingt leichter macht, beschwingt und positiv in diesen Lebensabschnitt zu starten. Ich möchte damit die Symptome nicht Kleinreden, im Gegenteil. Ich möchte mich für Aufklärung stark machen und für mehr gesellschaftliches Verständnis werben. Und ich glaube auch, dass eine positive Einstellung einen großen Einfluss auf das eigene Wohlbefinden nehmen kann.

 

Die Symptome können sehr ausgeprägt und das Leben damit eingeschränkt sein und es ist sicher nicht alles immer Friede, Freude, Eierkuchen, auch wenn wir uns darum bemühen. Nichtsdestotrotz bin ich absolut überzeugt, dass wir durch eine positive Einstellung, durch ein gesundes soziales Netzwerk und durch klares Formulieren unserer Bedürfnisse und Wünsche einen Unterschied im Innen und im Außen bewirken können, der sich positiv auf Anzeichen oder Begleiterscheinungen der Wechseljahre auswirkt. Auch glaube ich, dass wir Missverständnisse und falsche Interpretationen vermeiden können, wenn wir selbst offen mit unserer persönlichen Situation umgeht. 

 

Aufhalten oder überspringen können wir diese Veränderungen eh nicht. Warum sie nicht einfach Umarmen, statt einen Kampf zu kämpfen, den wir nicht gewinnen können?

Photo by Ross Findon on Unsplash

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