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Alles zum Thema: Endometriose

Ein Gastartikel von Noëlle Grzanna

‚Sie sind jung und nehmen die Pille, Sie können keine Endometriose haben!’ – das war die Aussage meiner damaligen Gynäkologin, als ich mich mit 24 Jahren an sie wandte, nachdem nicht nur meine Menstruation von starken, krampfartigen Schmerzen begleitet wurde, sondern auch außerhalb der Menstruation immer wieder starke Unterleibsschmerzen auftraten, beispielsweise beim Schwimmen. 

‚Sie sind jung und nehmen die Pille, Sie können keine Endometriose haben!’

Vier Monate nach dieser Aussage wechselte ich die Gynäkologin, nachdem meine Beschwerden während der Menstruation und im Alltag immer stärker wurden und erfuhr dort eine ganz andere Einschätzung meiner Symptome. 

Starke Unterleibsschmerzen, sowohl abhängig als auch unabhängig vom Zyklus, starke und vor allem lange Blutungen, Schmerzen beim Stuhlgang, manchmal auch beim Wasserlassen und Schmerzen bei der gynäkologischen Untersuchung reichten meiner neuen Gynäkologin aus, um mich in ein zertifiziertes Endometriosezentrum zu überweisen, in dem kurze Zeit später, mittels einer Bauchspiegelung die Diagnose Endometriose gestellt wurde. 

Was ist Endometriose?

Endomertiose beschreibt eine gutartige, gynäkolgische Erkrankungen, die mindestens jede 10. Frau im gebärfähigen Alter betrifft. Endometriose ist gekennzeichnet durch sogenannte Endometrioseherde, die der Gebärmutterschleimhaut ähnlich und meist im Bauchraum versprengt sind. Die Herde lösen, an den Orten, an denen sie angesiedelt sind, beispielsweise an den Eierstöcken, am Darm oder an den Harnleitern Entzündungen aus und unterliegen dem weiblichen Zyklus. Das heißt, sie können wachsen und auch bluten. 

Die Symptome

Endometriose wird häufig als Chamäleon der Frauenheilkunde bezeichnet, da sehr unterschiedliche Symptome auftreten können und es auch Frauen gibt, die trotz vieler Herde keinerlei Symptome haben.

Neben starken Unterleibsschmerzen, die zusammen mit der Menstruation auftreten, oder eben auch unabhängig von der Menstruation, starken, langen und unregelmäßigen Blutungen, Schmerzen beim Stuhlgang und beim Wasserlassen und Schmerzen bei der gynäkologischen Untersuchungen, kann sich die Endometriose auch durch Schmerzen beim Sex, Blutungen aus Darm und Blase, Zysten an den Eierstöcken, Rückenschmerzen, die bis ins Bein ausstrahlen, unerfüllten Kinderwunsch, Erschöpfungszustände und einer erhöhten Infektanfälligkeit während der Periode zeigen. 


Hier kannst du Hilfe finden

Eine gute Darlegung über die vielfältigen Symptome der Endometriose findest du zum Beispiel auf der Internetseite der Endometriose Vereinigung Deutschland e.V.. Auf dieser Seite findest du auch eine Übersicht über alle zertifizierten Endometriosezentren in Deutschland, sowie über Kinderwunsch – und Rehazentren, die sich auf Endometriose spezialisiert haben. 


Wie wird endometriose diagnostiziert?

Die Endometriose-Diagnose kann zum jetzigen Zeitpunkt nur sicher über eine Bauchspiegelung, auch Laparoskopie genannt, gestellt werden. Die vaginale Tastuntersuchung, der Ultraschall und auch das MRT können wichtige Wegweiser bei einem Endometriose-Verdacht aufgrund der oben genannten Symptome sein. 

Unter folgendem Link findest du einen Endometriose-Test, falls du den Verdacht hast, selbst betroffen zu sein: https://www.endometriose-liga.eu/de/endo-test

Diagnose Endometriose - wie geht es weiter?

Falls du die Diagnose Endometriose erhältst, stehst du nach der Bauchspiegelung vielleicht vor einer großen Herausforderung, die ich damals erstmal verdauen und für mich annehmen musste. Es gibt aktuell leider keine Therapie der Endometriose, die die Ursache behebt. Die operative Entfernung der Herde, die mögliche Hormontherapie und auch die Schmerztherapie dienen nur der Symptombekämpfung. Dies liegt daran, dass die Forschung bis heute die Ursache der Endometriose nicht kennt. Es gibt unterschiedliche Theorien zur Ursache und Entstehung der Endometriose, doch keine kann alle Fälle erklären.

 

Mir selbst helfen am besten Akupunktur, Osteopathie, Mikronährstofftherapie, Aromatherapie und Yoga. Auch die Ernährungstherapie, zum Beispiel durch den Verzicht auf entzündungsfördernde Lebensmittel, kann ein wirksames Mittel sein, um Symptome zu verbessern.

Aufgrund der vielfältigen Symptome, die die Endometriose hervorrufen kann, geht man mittlerweile von einer systemischen Erkrankung aus, die von unterschiedlichen Fachärzten behandelt werden muss. 

Neben der Schulmedizin bieten auch die Naturheilkunde und die Komplementärmedizin einige Behandlungsverfahren, von denen man als Betroffene profitieren kann. Mir selbst helfen am besten Akupunktur, Osteopathie, Mikronährstofftherapie, Aromatherapie und Yoga. Auch die Ernährungstherapie, zum Beispiel durch den Verzicht auf entzündungsfördernde Lebensmittel, kann ein wirksames Mittel sein, um Symptome zu verbessern.

Mit diesem kurzen Abriss über die Endometriose und dem Beginn meines Endometriose-Weges möchte ich dir folgendes sagen: 

Starke Regelschmerzen sind nicht normal und müssen nicht ertragen werden! Und manchmal stellen sich die Symptome der Endometriose ganz anders da, als wir erwarten! Auch bereits junge Frauen, Mädels im Teenageralter können von Endometriose betroffen sein! Genauso wie Frauen nach den Wechseljahren! Die Pille ist kein wirksamer Schutz vor Endometriose, sie kann jedoch der symptomatischen Therapie dienen!

Die Erfahrung deines Operateurs hat einen massiven Einfluss auf deinen persönlichen Endometriose-Weg, lasse dich in zertifizierten Endometriose-Zentren behandeln und auch operieren.

 

Ob bei starken Endometriose-Symptomen eine Bauchspiegelung immer notwendig, bzw. der richtige Weg ist, ist eine schwierige Frage und muss immer individuell, abhängig von der jeweiligen Lebens- und Schmerzsituation und auch möglichen Begleiterkrankungen entschieden werden.

Im Fall einer fortschreitenden Organzerstörung (Organdestruktion), z.B. Verengung der Harnleiter (Stenosierung der Harnleiter) ist eine Operation unumgänglich. Auch bei bestehendem Kinderwunsch sollte eine operative Entfernung der Endometrioseherde (Sanierung) in Betracht gezogen werden, da nach einer Sanierung die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft steigt.

Wichtig bei der Frage, ob eine Operation sinnvoll ist, ist dass der Schweregrad der Symptome nicht mit dem Schweregrad der Endometriose korreliert.

Wichtig bei der Frage, ob eine Operation sinnvoll ist, ist dass der Schweregrad der Symptome nicht mit dem Schweregrad der Endometriose korreliert. Wie gesagt, es gibt Frauen, die viele versprengte Herde haben und keinerlei bzw. kaum Beschwerden haben. Und anders herum gibt es Frauen, die unter zwei Herden sehr leiden. Hinzukommt, dass ein nicht geringer Prozentsatz der operierten Frauen weiterhin Beschwerden hat, bzw. durch Narben und Verwachsungen neue Beschwerden hinzukommen. 

 

Meiner Erfahrung nach tragen viele Frauen, vor allem vor der ersten OP, die große Hoffnung in sich, dass eine Sanierung Schmerzfreiheit und Genesung mit sich bringt. Umso größer ist dann die Enttäuschung, wenn die Beschwerden gar nicht verschwinden, oder nach kurzer Zeit wieder auftreten. 

 

Bitte nimm deine Beschwerden ernst und lass diese von niemandem klein reden. Du hast es verdient, auf diesem Weg gut begleitet zu werden.

Hast du Erfahrungen mit Endometriose? Teile uns gerne deine Begegnungen mit diesem Thema auf Instagram und Facebook mit. Wir freuen uns, mit dir in Kontakt zu sein. 


Gastartikel von Noëlle Grzanna

Über Noëlle: Ich bin 31 Jahre alt und das Gesicht hinter @frau_endo. Ich betrachte die Endometriose aus zwei Blickwinkeln. Aus dem Blickwinkel der Patientin, 2012 erhielt ich meine Diagnose und seit 2015 auch aus wissenschaftlicher Sicht. Im Rahmen meiner Masterarbeit durfte ich eine deutschlandweite Befragungsstudie zu der Frage nach der Relevanz und Akzeptanz von naturheilkundlichen und komplementärmedizinischen Behandlungsverfahren bei Frauen mit Endometriose durchführen. Mein Herz schlägt für die Naturheilkunde und die komplementäre Medizin und mit diesen versuche ich, soweit es möglich ist, meiner Endometriose zu begegnen. 

 

Mit meinem Instagram (@frau_endo) - und Facebookaccount (@frauendo) möchte ich Frauen auf ihrem Endometrioseweg begleiten und sie darüber informieren und dafür begeistern, was neben dem klassischen schulmedizinischen Weg noch alles möglich ist. 



Photocredits: unsplash

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