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365 Tage mit Hormon-Yoga - ein Fazit

Das Leben selbst ist permanente Veränderung. Keine Sekunde gleicht der anderen. Alles ist immer im Fluss. So auch unser Körper. Er ist permanent in Bewegung, arbeitet rund um die Uhr, reagiert, agiert, repariert. Die meiste Zeit, ohne dass wir es mitbekommen. Wenn wir es mitbekommen, ist etwas im Busch. Was das ist, ist mal ganz offensichtlich (z. B. eine Erkältung) und mal unerklärlich (meine jahrelange Amenorrhoe). Das Unerklärliche auszuhalten ist mir all die Jahre nicht leicht gefallen. Unterschwellig war da immer ein Gefühl von nicht richtig Frau zu sein und von nicht genug Weiblichkeit. Die tägliche Einnahme von Hormonpräparaten machte es nicht besser, hielt die Schulmedizin aber für nötig, damit ich nicht vorschnell in die Wechseljahre komme. Dafür bin ich heute sehr dankbar, denn mit funktionsunfähigen Eierstöcken hätte ich wohlmöglich die Erfahrungen des letzten Jahres nicht machen können.

Im März letzten Jahres setzte ich in Absprache mit meiner Endokrinologin die Hormonpräparate ab und begann mit einer dreimonatigen Schwermetallausleitung. Am 16.4.2018 startete ich zudem mit Hormonyoga. Lt. der Hormonyogalehrerin Dinah Rodrigues sollte man bei schweren Beschwerden (dahin ordnete ich mich ein) täglich über einen längeren Zeitraum praktizieren. Challenge accepted. Wenn ich was mache, dann richtig. Ich nahm mir vor, ein Jahr täglich zu üben, mit der Absicht, einen regelmäßigen auf natürliche Weise stattfindenden Zyklus zu haben. Anfänglich habe ich mich schwer getan, meine morgendliche Meditations- und Yogapraxis gegen das Hormonyoga einzutauschen. Immer wieder tauchten Zweifel auf, an der Methode, an meinem Körper. Ich hatte große Angst, dass nach all den Jahren in denen ich alles erdenkliche ausprobiert hatte, Hormonyoga genauso versagen würde, wie all die anderen Mittelchen, Tricks und Therapien. 

Nach 55 Tagen wurde ich eines besseren belehrt. Nach 20 Jahren bekam ich das erste Mal seit der Pubertät meine Periode. Ich war überwältig. Und bin es immer noch. Dieses Gefühl und diesen Tag werde ich nie vergessen. An dem Tag bekam ich die Motivation, die mich das Jahr über durchhalten ließ. Es gab keine Ausreden, egal wo ihr war, ich übte. Sogar als ich bei meinem Lehrer ein intensives Retreat absolvierte, nutzte ich die morgendliche kurze Pause, um Hormonyoga zu machen. Zwei Unterbrechungen à etwa einer Wochen hat es gegeben, in denen ich wegen Krankheit nicht üben konnte. Ansonsten hab ich das Jahr durchgehalten. Mit einem für mich großartigen Ergebnis: Alle 30 - 40 Tage bekomme ich meine Menstruation. Das ist zwar kein Bilderbuchzyklus, aber meinen Erfahrungen nach zu urteilen, haben das die wenigsten Frauen. Alles ist immer in Veränderung. Nichts ist beständig. Und gerade der weibliche Zyklus reagiert auf minimalste Störungen, wie zum Beispiel auf Stress. Immer wieder auch ein Thema bei mir, an dem ich zu arbeiten habe. 

Das letzte Jahr hat sich unglaublich viel getan. Mein ganzer Körper hat sich verändert. So ist zum Beispiel meine Verdauung besser geworden, ich habe sehr viel seltener Bauchschmerzen und vertrage wieder Fruchtzucker. Meine Haut sieht klarer aus. Ich habe immer noch Pickel, mal mehr, mal weniger, aber die pubertären Hautunreinheiten, zu denen ich geneigt habe, sind weg. Meine Haare und Nägel wachsen, dass man fast zugucken kann und ich habe deutlich mehr Energie. Interessant ist auch, dass Körpergeruch und Schweißproduktion anders sind. Ökodeos, die zuvor einen mega Job gemacht haben, wirkten plötzlich nicht mehr. Aber nach einigen Experimenten hab ich auch das wieder im Griff.

Oft spüre ich meinen Eisprung und zum ersten Mal habe ich diesen Heißhunger kurz vor oder während meiner Periode, von dem meine Freundinnen immer berichtet haben. Ich habe das Gefühl, meine Bedürfnisse besser zu kennen und kann so meine Energie besser einteilen. Trotz all der positiven Veränderung kann ich nicht behaupten, dass ich jeden morgen Hurra schreie und mich jubelnd und motiviert auf meiner Matte wiederfinde. Es ist ein Angang, der mir mal ganz leicht und mal richtig schwer fällt. Natürlich wäre es wesentlich leichter, einfach eine Pille einzuschmeißen, die den vermeintlichen Rest "regelt" - zumindest rein oberflächlich betrachtet. Aber das hat sich für mich einfach immer falsch angefühlt. Von den diversen Nebenwirkungen mal abgesehen, finde ich es komisch, meinen Hormonhaushalt von außen zu regulieren, solange es Möglichkeiten gibt, selbst für Regulation zu sorgen. Ich betone immer wieder, dass ich nicht per se gegen die Pille bin. Es gibt Krankheitsbilder, da macht die Pilleneinnahme aus gesundheitlichen Gründen einfach Sinn. Leider nehmen aber auch viele gesunde Frauen die Pille und wundern sich dann Jahre später, warum sie nicht schwanger werden, Zyklusstörungen oder depressive Phasen haben. Aber das ist ein anderes Thema.

"Kümmere dich um deinen Körper. Er ist der einzige Ort zum leben, den du hast." Jim Rohn

Es ist immer wieder faszinierend, wie alles mit allem verbunden ist und wie der Körper bereit ist, Hilfe anzunehmen und all die Bausteine zurück in ihre Funktion finden. Ich bin so unglaublich dankbar für all die Erfahrungen, die ich im vergangenen Jahr machen durfte. Ich habe so viele starke und mutige Frauen kennengelernt und durfte auch einige von ihnen auf ihrer Reise zu sich selbst begleiten. 

 

Auch wenn ich früh morgens manchmal gerne noch liegen bleiben oder einfach nur meditieren würde, an Hormonyoga komme ich nicht vorbei. Die tägliche Praxis ersetzt die Hormonpräparate. Vielleicht werde ich jetzt nach diesem ersten Jahr an dem einen oder anderen Tag mal eine Pause machen oder mit verschiedenen Techniken experimentieren. Auf jeden Fall kann mein Körper weiter auf mich zählen und ich gebe mir größte Mühe, ihn bestmöglich zu verstehen und in seinen Bedürfnissen zu unterstützen.Und dazu möchte ich dich auch ermutigen.

 

Lerne wieder, auf deinen Körper zu hören. Er ist immer in Kommunikation mit dir und dabei nie gegen dich. Biete ihm Hilfe an, wenn er dir Signale sendet. Trau dich genau hinzugucken und gegebenenfalls für Veränderung zu sorgen. Finde den Mut zur Rücksichtnahme, zum Nein sagen. Den Mut zum Du sein, den Mut zur Hingabe und bedingungslosen Selbstliebe. Das kannst du. Es ist alles in dir. 

 

Go out and shine

deine Astrid