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Alleskönner Ölziehen - Mundhygiene, Vorsorge und Entgiftung

Mein erstes Mal Ölziehen liegt jetzt schon eine ganze Weile zurück. Meine Zahnärztin brachte mich damals auf die Idee, weil ich empfindliche Zahnhälse hatte, ich aber kein Fluor benutzen wollte. Anfänglich war es ziemlich ungewohnt, Öl zwischen den vorderen Zähnen hin und her zu schieben und zu ziehen ohne zu schlucken. Außerdem wurde meine Kiefermuskulatur schnell müde und das Gefühl im Mund war schlichtweg unangenehm.

 

Aber die vielen Vorteile und meine empfindlichen Zahnhälse ließen mich durchhalten. Innerhalb kurzer Zeit gewöhnten mein Kiefer und ich uns an die Mundgymnastik und seit 10 Jahren gehört das Ölziehen zu meinen festen Morgenritualen.

 

Die Empfindlichkeit meiner Zahnhälse, die sich hin und wieder bei kalten oder säurehaltigen Getränken oder Speisen bemerkbar machte, ist verschwunden. Auch bei Zahnfleischbluten, Karies(bekämpfung), Mundgeruch und lockeren Zähnen soll sich das Ölziehen positiv auswirken. Zudem haben Verfärbungen wenig Chance, sich abzulagern und die Zähne werden wieder weißer. Meine Zahnärztin ist bei der Routineuntersuchung jedes Mal wieder begeistert.

 

Aber Ölziehen kann noch viel mehr. Es gehört in der ayurvedischen Lehre traditionell zur ganzheitlichen Therapie vieler anderer Krankheiten. Bereits in der ersten ayurvedischen Schrift, der 2000 Jahre alten Charaka Samhita, wird das Ölziehen erklärt und empfohlen und über 30 verschiedene Krankheiten sind aufgeführt, die sich mit dem Ölziehen heilen lassen sollen. So z. B. auch Kopfschmerzen und Migräne.

In den 1990ern ist das Ölziehen dann in den Westen gelangt. 

 

 

Und wie geht das jetzt genau?

 

Zunächst erst mal gründlichst die Zunge reinigen. Allein dieses Ritual birgt schon diverse Vorteile. Dafür würde ich einen Zungenschaber empfehlen. Es geht angeblich auch mit einer Zahnbürste, aber das Ergebnis hat mich nie überzeugt.

Über Nacht bildet sich bei uns allen ein dünner Belag auf der Zunge. Dieser Belag gilt als Abfallstoff (Mala) und sollte vor dem Ölziehen beseitigt werden. Die Zunge wird sauber, Mundgeruch reduziert und die Geschmackswahrnehmung wieder feiner. 

 

Außerdem werden der Zungenoberfläche, ähnlich wie den Reflexzonen der Fußsohlen, bestimmte Organe zugeordnet. Der Zungenspitze ist das Herz zugeteilt. Bis zum Zungengrund folgen dann Lunge, Milz, Magen, Blase und Nieren. Rechts der Relfexzone des Magens ist der Leber zugeordnet, links die Gallenblase, rechts vom Bereich der Blase und Nieren befindet sich die Dickdarmzone, links die Dünndarmzone.

Durch das Abschaben der Zunge werden diese Zungenreflexzonen von Belägen befreit und so können durch das Ölziehen das Verdauungssystem und die anderen genannten Organe entgiftet und stimuliert werden.

 

Zunge geputzt? Auf geht’s! 

 

Das Ölziehen sollte direkt morgens nach dem Aufstehen auf nüchternen Magen erfolgen (auch kein Wasser vorher trinken!). Einen Esslöffel Sesam-, Kokos oder Sonnenblumenöl in den Mund nehmen. Alle drei Öle haben tolle antibakterielle Eigenschaften. Sesamöl und Kokosöl haben zudem entzündungshemmende Wirkung. Welches Öl ist also Geschmacksache, aber Bio-Qualität sollte es unbedingt haben.

 

Bei akuten Entzündungen oder Infektionen im Mund kann dem Öl noch ein Tropfen Oregano-Öl oder Grapefruitkernextrakt zugefügt werden. Prothesen sollten vorher herausgenommen werden.

 

Das Öl sollte idealerweise 20 Minuten im Mund durch die Zähne hin und her gespült, geschlürft und gesaugt werden. Nicht gurgeln oder den Kopf in den Nacken legen, da nichts von der Flüssigkeit geschluckt werden sollte. Denn in ihr befinden sich ja die Gifte, die wir loswerden wollen. Kurze Pausen zwischendurch sind erlaubt, damit sich das Öl im Mund verteilen und einwirken kann.

Muskelkrämpfe im Wangen- oder Kieferbereich weisen auf etwas zu viel Ehrgeiz hin. Sollte die Muskulatur krampfen, lieber ein bisschen Eifer rausnehmen.

 

Zum Ende hin wird das Öl-Speichelgemisch flüssiger und färbt sich weiß.  Das Öl sollte in ein Papiertaschentuch gespuckt werden, damit die Gifte und Bakterien nicht in den Wasserkreislauf geraten. Das Tuch dann einfach in den Müll werfen.

 

Den Mund anschließend mehrfach mit warmem Wasser gut ausspülen und dann gründlich die Zähne putzen. Am besten mit einer separaten Zahnbürste (die nur für das Putzen nach dem Ölziehen verwendet wird) und mit einer milden ayurvedischen oder basischen Zahnpasta. 

 

Es kann wie gesagt zu Beginn etwas Überwindung kosten. Also vielleicht erst mal klein anfangen – mit einem Teelöffel und vielleicht nur 5 Minuten. Wenn das Ölziehen mal unterbrochen werden muss, Öl wie oben beschrieben ausspucken und entsorgen und einfach einen neuen Löffel Öl in den Mund nehmen und weitermachen.

 

Vorsicht bei Amalgam-Plomben. Es kann sein, dass sich durch das Ölziehen Quecksilber aus den Füllungen löst und nicht komplett im Öl bleibt sondern über die Mundschleimhaut in den Körper wandert. Also lieber noch mal mit dem Zahnarzt sprechen... Entgiftende Methoden können nur dann Wirkung erzielen, wenn keine Giftquellen mehr im Körper vorhanden sind.

 

20 Minuten sind ganz schön lang? Wenn morgens wenig Zeit ist und du schon etwas geübt bist im Ölziehen, folge deiner Morgen-Routine – geh duschen, mach den Kindern oder dir Frühstück, lese vielleicht Zeitung... Nur reden geht eben nicht.

Wenn du dir ein bisschen extra Zeit gönnen kannst, geh die Sache ganz meditativ an, setze dich bequem hin und halte den Fokus nach innen gerichtet oder schnapp dir ein inspirierendes Buch.

 

Viel Spaß beim Ausprobieren!