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Let's talk about Stress - Der kleine Bruder des Burnouts und seine Folgen

Nur noch diese eine E-Mail beantworten, dann ist wirklich Schluss, dann ist Feierabend, dann gehe ich. Ich bin schon wieder die letzte im Büro. Wie so oft denke ich flüchtig, dass ich etwas ändern muss, dass ich wieder ein Privatleben haben möchte. Auch dieses Mal bleibt der Gedanke ein Gedanke und ich tröste mich mit einem neuen Gedanken. Es ist eine Phase, die wieder vorübergehen wird. Momentan wird in der Firma eben mein voller Einsatz verlangt.

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Seit 10 Jahren bin ich selbstständig. Im Moment läuft es nicht so gut. Sicher auch, weil ich seit Jahresanfang meine Mutter pflege und deswegen die Prioritäten anders setzen muss. Ich hoffe, bald Unterstützung zu bekommen, so dass ich mich wieder mehr auf meine Arbeit und auch auf meine Partnerschaft fokussieren kann. Denn die geht gerade den Bach runter. Wir leben nur noch nebeneinander her.

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Mein Mann ist berufsbedingt nur am Wochenende zu Hause, und ich schmeiße Haushalt und Kinder unter der Woche alleine. Das ist zwar manchmal stressig, aber ich habe nicht das Gefühl, eine Wahl zu haben. Meistens ist eh zu viel zu tun, als das ich mir darüber Gedanken machen könnte. Ich arbeite halbtags und hole die Kinder um 15 Uhr aus der Kita ab. Hin und wieder ist meine Mutter nachmittags bei uns, aber das macht gefühlt noch mehr Arbeit.

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Drei Einblicke in verschiedene Lebensituationen, die in ähnlicher Form viele meiner Kunden betreffen. Drei alltägliche Situationen die einen gemeinsamen Nenner haben: chronischer Stress. 

Stress hatten wir schon immer und Stress zu haben, ist unserem System bekannt. In Stresssituationen kann unser Körper Unglaubliches leisten. Früher haben wir zum Beispiel gegen Bären gekämpft oder waren auf der Flucht vor dem Bären. Verdammt schnell sogar, weil der Körper in Extremsituationen alle Reserven bereitstellt. Wenn der Bär erlegt war oder wir zurück in unserer Höhle waren, war der Stress vorbei und unser System konnte sich erholen.

 

Heute ist das anders. Der Bär aka Chef lässt sich weder erlegen, noch können wir einfach vor ihm wegrennen. Und die Dauererreichbarkeit, in der wir leben, erzeugt eine unterschwellige Dauerbereitschaft und macht die Situation leider meist nicht besser. Stress, der für Kampf- oder Flucht-Situationen bestimmte Abläufe im Körper veranlasst, existiert heutzutage oft dauerhaft und signalisiert unserem Körper ständig, wir würden kämpfen oder fliehen. Es wird also dauerhaft krass viel Energie bereitgestellt.

 

 

Was im Körper passiert

 

Chronischer Stress fängt ganz schleichend an und macht uns zu Beginn keine Probleme. Im Gegenteil. Meistens laufen wir erstmal zu Hochtouren auf. Das liegt am chronisch erhöhten Cortisolspiegel im Blut. Cortisol ist ein Stresshormon, welches dem Körper durch Aktivierung bestimmter Stoffwechselvorgänge mehr Energie zu Verfügung stellt.

Cortisol ist den ganzen Tag in unterschiedlichen Mengen im Blut vorhanden. Morgens, wenn wir in den Tag starten, ist die Konzentration am höchsten und um Mitternacht erreicht sie ihren Tiefpunkt. Cortisol hat Einfluss auf den Blutzucker, den Fettstoffwechsel und wirkt entzündungshemmend. Bei Stress sind die Cortisolwerte erhöht, was uns zunächst erstmal suggeriert, wir hätten unendlich viel Energie. Zudem sinkt die Infektanfälligkeit. Bis hierhin erstmal super. 

 

Wenn der Cortisolspiegel aber nun dauerhaft erhöht ist, kippt die Lage im Körper über kurz oder lang und es kommt zu Symptomen der so genannten "Manager-Krankheit". Es kann zum Beispiel zu Magenbeschwerden (Blähungen, Völlegefühl, Verstopfungen), Magengeschwüren, Bluthochdruck, hormonellen Dysbalancen, Ausbleiben der Menstruation (Amenorrhoe) und Arterienverkalkung kommen. Auf Dauer erlahmt unsere Nebennierenrinde (die das Cortisol produziert), was zum Absinken des Cortisolspiegels im Blut führt. Dies wiederum führt zu Autoimmunerkrankungen, da das Immunsystem nicht mehr vom Cortisol gehemmt wird, zu Allergien, zu hoher Infektanfälligkeit und Herzstress. Manchmal sind die Symptome leise, manchmal sind sie laut. Entweder steckt man bereits mitten im Burnout oder man ist kurz davor.

 

 

Was du tun kannst

 

Der Sohn meiner Freundin meinte neulich "Chill mal, Mama!". Damit hat er eigentlich alles gesagt.

Nimm dir unbedingt wieder bewusst Zeit für dich. Suche dir eine Beschäftigung, die dir gut tut und nichts mit dem zu tun hat, was du sonst tust. Natürlich helfen oft Klassiker wie Yoga, Meditation, Autogenes Training, Feldenkrais oder ein Spaziergang. Aber das kann für dich persönlich auch etwas ganz anderes sein. Zum Beispiel ein Mal- oder ein Töpferkurs, Powernapping, Walken... Probiere aus, was DIR guttut und nicht was deine Nachbarin dir rät - aber vielleicht könnte die mal die Kinder nehmen?!

 

Ich weiß, dass es in sehr stressigen Zeiten schwierig ist, Ruhe zu finden. Gerade wenn der Tag durchgetaktet ist. Aber über kurz oder lang tust du niemandem einen Gefallen, wenn du dein System dauerhaft überreizt. Also, tief Atmen, deine Pausen finden und vielleicht mit ein bisschen weniger durchgedrücktem Gaspedal den Alltag manövrieren.

 

#staychilled

Deine Astrid

 

Photocredit: unsplash